Beiträge von Wissenschaft und Beratung zu gesellschaftlichen Spaltungs- und Bindungsdynamiken in existenziellen Krisen
DOI: 10.18452.26064
Abstract
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit der Frage auseinander, welche Beiträge Wissenschaft und Beratung zu gesellschaftlichen Spaltungs- und Bindungsdynamiken in existenziellen Krisen leisten können. Die Fragestellung wird mithilfe der sozialpsychologischen Theorie beantwortet und durch die Ergebnisse einer zweistufigen Delphi-Befragung mit n = 11 und n = 18 ergänzt. Darauf aufbauend werden jeweils vier Hypothesen zu Spaltungsdynamiken (S1-S4) und Bindungsdynamiken (B1-B4) entwickelt:
Spaltungsdynamiken werden demnach verstärkt, wenn Personen sich von anderen Personen in ihrem Selbstwert bedroht fühlen (S1), das Internet genutzt wird, ohne die Verzerrungen der eigenen Wahrnehmung zu reflektieren (S2), Einstellungen öffentlich abgewertet und moralisch verurteilt werden (S3) sowie wenn Vorurteile genutzt werden, um Eigengruppen positiv von Fremdgruppen abzugrenzen (S4).
Bindungsdynamiken werden gefördert, wenn der Selbstwert aufgewertet, stabilisiert und emanzipiert wird (B1), die Fähigkeit zur Reflexion der eigenen Wahrnehmung und ihrer Verzerrungen entwickelt wird (B2), Personen mit gegensätzlichen Einstellungen nicht ausgeschlossen, sondern integriert werden (B3) und persönlicher sowie stellvertretender Kontakt mit Fremdgruppen hergestellt wird (B4).
Die Hypothesen werden in konkrete Schlussfolgerungen für Wissenschaft und Beratung übersetzt.